Ich stelle den Blog ein…

Eigentlich hätte ich an dieser Stelle ein paar Worte zum aktuellen October Update von Windows 10 schreiben wollen, doch daraus wird nichts, denn ich stelle diesen Blog ein. Genauso wenig wird es noch eine Aktualisierung meines Windows 10-Ratgebers beim Rheinwerk-Verlag geben.

Folgende Gründe haben mich dazu bewogen:

>Die Entwicklung von Windows 10 durch Microsoft.

Windows 10 ist ein gutes Betriebssystem, für ca. 80% aller User ist es genau richtig. Für diese Menschen käme ein Linux aus den unterschiedlichsten Gründen nie in Frage. Die Verantwortlichen haben auf die Kritik in Bezug auf die Übertragung von Nutzerdaten an Microsoft zumindestens insofern reagiert, dass die Einstellungen besser erklärt werden (ich glaube beim October Update gibt es wieder eine neue Folge von Dialogen – das wäre dann mindestens die dritte Änderung in diesem Punkt) und die übertragenen Daten dokumentiert wurden, so dass sich für technisch versierte Menschen nachvollziehen lässt welche Daten übertragen werden. Aber es werden nach wie vor Daten in großem Umfang übertragen, die das Nutzerverhalten im Detail dokumentieren. Daran wird sich aller Voraussicht nach auch in Zukunft nichts ändern.

Aber, und das ist ein großes Aber, die Entwicklung geht in die falsche Richtung. Für Microsoft ist Windows inzwischen eine Art Auslaufmodell. Die Windows-Abteilung wurde vor einigen Monaten aufgelöst, viele Entwickler, die bislang zur „Windows Unit“ gehörten, werden künftig in der „Azure-Unit“ arbeiten. Das kann dem User zwar grundsätzlich egal sein, aber es macht deutlich welche Priorität die technische Weiterentwicklung von Windows als Betriebssystem bei Microsoft inzwischen hat. Keine. Das größte Aber für mich sind die halbjährlichen Updates, durch die jedes Mal irgendein Firlefanz an der Benutzeroberfläche geändert wird (vor allem im Startmenü) und die theoretisch eine AKtualisierung eines Windows Buches erforderlich machen. Das kann weder ein Verlag noch ein Autor leisten.

>Wertschätzung und der finanzielle Aspekt

Von den Verkäufen eines Windows-Ratgebers kann kein Mensch leben. Die Autorentätigkeit ist für mich schon seit längerem ein (zeitaufwändiges) Hobby, das ich mir aus mehreren Gründen nicht mehr leisten kann. Die Verlage interessiert das nicht, sie gehen einfach davon aus, dass der Autor oder die Autorin ihr Leben schon irgendwie finanziert. Dass das als klassischer „Freiberufler“ alles andere als einfach ist, können sich die Verlagsleiter nicht vorstellen. Das Buch hat generell an Stellenwert verloren. Das schlägt sich nicht nur in den verschwindend geringen Verkaufszahlen nieder, sondern auch allgemein in der Resonanz, die ein Fachbuch auslöst (z.B. Leserzuschriften oder allgemein positives Feedback).

Alles in allem ist für mich das Kapitel Windows beendet.

Ich begleite die Entwicklung seit der allersten Version, die ich irgendwann 1985 oder 1986 (so ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern) auf einem PC mit 640 KB Arbeitsspeicher und einer Monochrom-Grafikkarte installiert hatte (für Reversi, dem einzigen Grund damals Windows zu starten, hat es aber gereicht). Mit Windows 3.0 kam der große Durchbruch und mit Windows 95 brach sogar ein regelrechter „Hype“ aus – mein Windows 95-Buch hatte sich über die Jahre weit über 100.000 Mal verkauft. Heute gilt ein Buch als „Bestseller“, wenn vielleicht 2000 Exemplare verkauft werden. Danach ging es mit Windows 98, Windows 98 SE und ME wieder bergab. Zu viel Marketing, zu wenig echte Innovationen. Ich muss allerdings selbstkritisch anmerken, dass es damals zu jeder dieser Versionen ein Kompendium von mir gab.

Mit Windows XP und der Umstellung auf den NT-Kern (bis dahin wurde Windows wie in den Anfangstagen durch einen DOS-Lader gestartet) gab es wieder einen „Durchbruch“ (ich hatte mich damals in der Microsoft-Firmenzentrale in Redmond neben der Count-Downuhr, die die Tage bis zur Freigabe herunterzählte, einen Tag vor der Freigabe fotografieren lassen – einen Tag später stand an derselben Stelle Firmengründer Bill Gates, der stolz eine bunte Mappe im A5-Format, in der eine Windows XP-CD enthalten war, hochhielt – ob die Mappe tatsächlich eine CD enthielt ist natürlich nicht bekannt – die Geldbörse, die er bei der Wetten daß-Sendung Thomas Gottschalk übergab, so dass der Moderator die Geldbörse des damals reichsten Mann der Welt dem Fernsehpublikum präsentieren konnte, gehörte auch nicht ihm, sondern seinem Pressesprecher).

Mit Windows Vista, das mit jahrelanger Verspätung auf den Markt kam, gab es das erste Debakel (wobei das Betriebssystem selber gar nicht so schlecht wie sein Ruf war). Windows 7 war wieder ein sehr gutes Betriebssystem, dem bis heute viele zu Recht die Treue halte (ich installiere es ist inzwischen auch wieder öfter weil es nach wie vor alles bietet, was man von einem Betriebssystem erwartet). Windows 8 toppte Vista noch einmal was die zurecht sehr negative Kritik anging. Es war ein Paradebeispiel dafür wie ein Großkonzern komplett den Sensor für die Wünsche und Bedürfnisse seiner Kunden verloren hatte.

Mit Windows 10 wurde es zwar wieder besser, doch da der neue Microsoft-Boss Nadella den Konzern komplett auf die Cloud ausrichtete wurde damit deutlich, dass die Wünsche der Windows-User in Zukunft keine allzu große Rolle mehr in der strategischen Planung des Konzerns spielen würden.

Wer sich über Windows 10 informieren möchte, dem kann ich aus der Fülle an Webseiten zwei Blogs empfehlen:

>Born City von meinem Autorenkollegen Günther Born – www.borncity.com

Günther schreibt seit Jahrzehnten kompetent und unterhaltsam zu allen Aspekten von Windows

>Deskmodder.de

Auch wenn die Optik etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist dies einer der besten Blogs zu Windows 10 im deutschsprachigen Raum. Wer die aktuellste Windows 10 Preview als ISO-Datei herunterladen möchte, ist hier richtig.

Ich werde natürlich in den kommenden Jahren in der großen IT-Welt als Software-Entwickler und Vermittler von Know-how (z.B. durch Schulungen) aktiv sein.

Ihr Peter Monadjemi
Esslingen, Oktober 2018